Norddeutsche Meisterschaft 1959/60


|
Verein |
Tore |
Punkte |
Heimspiel |
Auswärtsspiel |
| 1. |
HAMBURGER
SV |
96-38 |
45-15 |
aus HSV Sicht |
| 2. |
Werder
Bremen |
71-47 |
41-19 |
5-2 |
3-3 |
| 3. |
VfL
Osnabrück |
54-33 |
39-21 |
3-0 |
0-3 |
| 4. |
FC
St.Pauli |
54-38 |
36-24 |
2-1 |
1-4 |
| 5. |
Bremerhaven
93 |
59-47 |
34-26 |
2-4 |
0-0 |
| 6. |
Hannover
96 |
61-51 |
34-26 |
3-2 |
1-2 |
| 7. |
VfV
Hildesheim |
42-44 |
32-28 |
2-1 |
1-2 |
| 8. |
E.Braunschweig |
43-44 |
31-29 |
3-2 |
4-0 |
| 9. |
Holstein
Kiel |
50-52 |
27-33 |
10-2 |
2-1 |
| 10. |
VfR
Neumünster |
47-50 |
26-34 |
2-0 |
1-0 |
| 11. |
Altona
93 |
44-49 |
26-34 |
3-3 |
1-1 |
| 12. |
Concordia
Hamburg |
44-56 |
26-34 |
3-0 |
4-1 |
| 13. |
Bergedorf
85 |
48-68 |
26-34 |
4-0 |
3-0 |
| 14. |
VfB
Lübeck |
40-53 |
25-35 |
6-1 |
3-2 |
| 15. |
Phönix
Lübeck |
39-70 |
20-40 |
5-0 |
7-0 |
| 16. |
E.Osnabrück |
26-78 |
12-48 |
0-0 |
3-1 |
Zum 22. Mal Nordeutscher
Meister! Uwe Seeler wird zum 3. Mal Deutscher
Torschützenkönig mit 36 Treffern! Außerdem wird Uwe Seeler
zum
'Fußballer des Jahres 1960' gewählt und belegt Platz 3 bei der
Wahl
des 'Besten Fußballers Europas'! |
Deutsche Meisterschaft Endrunde
Gruppe 1
|
Verein |
Tore |
Punkte |
Heim |
Auswärts |
| 1. |
HAMBURGER
SV |
22-11 |
9-3 |
aus HSV Sicht |
| 2. |
Karlsruher
SC |
18-18 |
7-5 |
3-3 |
3-4 |
| 3. |
B.Neunkrichen |
9-17 |
5-7 |
6-0 |
4-0 |
| 4. |
Westfalia
Herne |
13-16 |
3-9 |
4-3 |
2-1 |
Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1960
| HAMBURGER
SV - 1.FC Köln 3-2 |
 Der Weg ins Endspiel 1960 - Die Endrunde

Borussia Neunkirchen - Hamburger SV 0-4
Das erste Gruppenspiel zur Deutschen Meisterschaft - acht Vereine in zwei Gruppen bewarben sich um den Titel - war relativ leicht für den HSV. Die Hamburger spielten in Saarbrücken gegen Borussia Neunkirchen und siegten, ohne besondere Leistungen bieten zu müssen, mit 4:0 Toren. Drei Tore erzielte Uwe Seeler. "Wir haben oft gut gespielt und schlecht verloren", sagte Mannschaftskapitän Jochen Meinke nachher. "Warum sollen wir nicht auch einmal schlecht spielen und gut gewinnen." Am gleichen Tag gewann der Karlsruher SC, der als Südmeister für diese Gruppe favorisiert war, mit 5-4 Toren auf eigenem Platz gegen Westfalia Herne.
Hamburger SV - Karlsruher SC 3-3
Im zweiten Spiel hatte der HSV eben diesen Gruppenfavoriten aus Karlsruhe zu Gast. Das Volksparkstadion, das damals noch 72000 Zuschauer faßte, war ausverkauft. Und die Karlsruher wurden ihrer Favoritenrolle vor allem in der ersten Halbzeit durchaus gerecht. Mit 2:0 gingen sie in Führung, und es schien, als hätten die Spieler des HSV Blei in den Stiefeln. Zu Beginn der zweiten Halbzeit das gleiche Bild. Die Hamburger wirkten verkrampft, die Gäste aus dem Süden steuerten mit einem 3:1-Vorsprung offensichtlich einem sicheren Sieg entgegen. Aber dann wachte der HSV plötzlich auf, ein Ruck ging durch die Mannschaft, Neisner schoß das Anschlußtor zum 3:2, und Uwe Seeler erzielte mit einem Kopfballtor noch das 3:3. Immerhin, für den Karlsruher SC war dieser Auswärtspunkt Gold wert, und die Experten waren sich nach dieser Begegnung eigentlich einig; der HSV würde ein weiteres Mal am Finale vorbeirutschen.
Westfalia Herne - Hamburger SV 3-4
Im nächsten Gruppenspiel, am 28. Mai, spielte der HSV in Herne. Die Torfolge ließ die Dramatik dieser Vorstellung erkennen: Gert Dörfel schoß das 1:0, dem 1:1 und dem 2:1 für Herne folgte der 2:2-Ausgleichstreffer durch Horst Dehn; Uwe Seeler brachte den HSV mit 3:2Toren in Führung, Herne glich zum 3:3 aus, Uwe Seelers Kopfball bedeutete dann eine Viertelstunde vor Spielschluß den 4:3-Sieg. In der Kabine erfuhr man beim HSV dann die Sensation dieses Tages: Karlsruhe hatte gegen Borussia Neunkirchen mit 2:4 verloren. Und plötzlich galt der HSV als Favorit der Gruppe 1. Wenn jetzt Westfalia Herne im Hamburger Rückspiel geschlagen werden würde, hätte der HSV die Fahrkarte zum Finale in Frankfurt fast schon in der Tasche gehabt.
Hamburger SV - Westfalia Herne 2-1
Aber wieder sah es vor eigenem Publikum nach einer gewaltigen Enttäuschung aus. Westfalia Herne führte bis zur Pause mit 1:0 Toren, Hans Tilkowski brachte die HSV-Stürmer durch seine Abwehrkünste im Tor der Westdeutschen schier zur Verzweiflung. Und dann war es wieder Uwe Seeler, der nie aufsteckte, und der den HSV auch diesmal wieder mit seiner mitreißenden Energie aus dem Schlamassel herausführte. Das 1:1 also kam nach einem knallharten Schuß zustande, das 2:1 war eine Attraktion, von der man noch lange sprach. Der Hamburger Mittelstürmer, am Boden liegend, hatte eigentlich gar keine Chance mehr; aber als der Ball in seine Nähe kam, hechtete er, sozusagen aus der Rückenlage, wie von einem Katapult geschossen hoch und zirkelte das Leder über den verblüfften Hans Tilkowski hinweg ins Herner Gehäuse. Der Karlsruher SC spielte gegen Borussia Neunkirchen nur 2:2, der HSV hatte nun einen Vorsprung von drei Punkten. In der anderen Gruppe zog der 1.FC Köln derweil fast ungestört seine Bahn. Diese Mannschaft, in der sich die Nationalspieler (Ewert, Stollenwerk, Röhrig, Wilden, Sturm, Schnellinger, Rahn, Schäfer) ein illustres Stelldichein gaben, waren schon lange vorher zum ausgemachten Favoriten für das Endspiel - wer immer auch der Partner sein würde - erklärtworden. Und die Kölner blieben in ihren Gruppenspielen -gegen Werder Bremen, Tasmania Berlin und FK Pirmasens - genauso souverän, wie es sich für eine so hochgelobte Mannschaft auch gehörte. Nach den ersten vier Gruppenspielen führten die Kölner ihre Gruppe mit 8:0 Punkten an und hatten theoretisch bereits das Finale erreicht.
Karlsruher SC - Hamburger SV 4-3
Der HSV dagegen mußte noch bangen. Am 5.Spieltag bezogen die Hamburger ihre erste Niederlage. Sie verloren in Karlsruhe mit 3:4 Toren; aber was zunächst nach einer Katastrophe aussah (der KSC führte nach 25 Minuten bereits mit 3:0 Toren), wurde dann noch zu einer erträglichen Niederlage, die niemanden deprimierte. Immerhin, die Kölner Mannschaft, die geschlossen auf der Tribüne des Karlsruher Wildpark-Stadions saß, rieb sich angesichts dieser nicht sonderlich überzeugend wirkenden HSV-Elf bereits die Hände. Von dieserTruppe hatte man im Endspiel, so meinte man, nurwenig zu befürchten. Neisner, Dehn und Gert Dörfel waren die Torschützen des HSV, der erst wieder am Schluß seine Qualitäten auszuspielen verstand.
Hamburger SV - Borussia Neunkirchen 6-0
Bis zum sechsten Tag der Gruppenspiele hatte der HSV vor eigenem Publikum noch nicht überzeugt. Und nun kam die Überraschungsmannschaft Borussia Neunkirchen nach Hamburg. Der HSV benötigte mindestens ein Unentschieden, um Gruppensieger zu werden. Es wurde ein 6:0-Triumph. Günther Mahlmann hatte vor diesem Spiel seine Mannschaft umgebaut. "Es ist mir verdammt schwergefallen", sagte er, "weil es bei uns auch eine menschliche Seite gibt, weil ich meine Jungens nicht nur als Fußballspieler betrachte." Dieser Entschluß, der dem HSV-Trainer damals so nahe ging, war der Verzicht auf Peter Wulf. Mahlmann stellte Jochen Meinke als Mittelläufer auf und gab Erwin Piechowiak eine Chance als Verteidiger. Vor 68000 Zuschauern lieferte der HSV eine begeisternde Partie; Dehn, Uwe Seeler und Dörfel schossen die Tore. Bester Mann auf der Gegenseite war Torwart Jarasek, der eine zweistellige Niederlage verhinderte. Was war dieser Sieg gegen Neunkirchen nun wirklich wert?
Endspiel: Hamburger SV - 1.FC Köln 3-2
Es war ein brütend heißer Tag, dieser 25.Juni 1960, als die Kölner und die Hamburger den Rasen des Frankfurter Waldstadions betraten. Der HSV hatte am Dienstag zuvor das letzte Mal trainiert. Günther Mahlmann vertrat die Auffassung, daß die Kondition seiner "Jungens" ohnehin ausgezeichnet sei, und daß "nichts an Physis auf dem Trainingsplatz bleiben dürfe". "Was wir jetzt nicht können, lernen wir auch bis zum Endspiel nicht mehr", sagte er. Die Kölner dagegen hatten noch 48 Stunden vor dem Finale ganz hart - mehr als eine Stunde lang - im Stadion trainiert. 70000 füllten in der Gluthitze dieses Tages die Ränge des Frankfurter Waldstadions. Und sie erlebten eines der spannendsten Endspiele in der Geschichte des deutschen Fußballs. Der HSV hatte, wie in den meisten Gruppenspielen auch, einen recht schwachen Start. Gerd Krug bekam als Gegenspieler eines Helmut Rahn sofort die größten Schwierigkeiten, und auf den Tribünen glaubte man bereits zu diesem Zeitpunkt - obwohl es erst 0:0 zur Pause hieß -, die allgemeinen Prognosen bestätigt zu sehen: der 1. FC Köln wird Deutscher Meister. So groß war bis dahin das spielerische Plus der Kölner gewesen.
Aber nach der Pause wurde alles anders. Wer zum Beispiel hatte nicht vorher Mitleid mit dem kleinen Hamburger Verteidiger Krug gehabt, der wie ein mutiger, aber ziemlich hilflos wirkender Irrwisch seinem großen Gegenspieler Helmut Rahn nachgerannt war, ohne ihn bremsen zu können? Wer hätte schon einen Pfifferling für diesen schmächtigen Mann aus Hamburg gegeben? Und nun, nach der Pause, war er plötzlich da, beifallsumbrandet wie ein kleiner König, der aus der Versenkung auftauchte. Dieser Krug war beispielhaft für den Mannschaftsgeist des HSV. Man richtete sich aneinander auf, und die elf prominenten Leute auf der Gegenseite wurden, einschließlich eines Helmut Rahn, immer mehr in die Kulisse geschoben.
Trotzdem, gerade als es so aussah, als solle die jüngere, frischere Mannschaft, der HSV, die Oberhand gewinnen, ging der 1. FC Köln in der 52. Minute durch ein Tor des Halbrechten Breuer in Führung. Aber nun zeigte es sich, aus welchem Holz der HSV geschnitzt war. Kaum hatte der Gegner mit südländisch wirkendem Temperament das 1:0 gefeiert, hieß es 1:1. Uwe Seeler hatte eiskalt ein Mißverständnis in der Kölner Deckung ausgenutzt.
Gert Dörfel erzielte elf Minuten vor Spielschluß, nachdem er tollenwerk stehengelassen hatte, als sei der gar nicht vorhanden, das 2:1 für den HSV. Das mußte der Sieg für die Hamburger sein, so meinte man jetzt auf den Tribünen. Die Uhr zeigte die 84.Minute. Schiedsrichter Kandlbinder sank plötzlich zusammen, mußte das Spiel wegen eines Wadenkrampfes abpfeifen. Drei Minuten später ging es weiter. Sechzig Sekunden nach Wiederanpfiff der Schock für den HSV. Der 1. FC Köln erzielte den Ausgleich. Fünf Minuten vor Schluß. Eine Verlängerung deutete sich an. Aber der HSV konterte mit einer nicht für möglich gehaltenen Cleverneß. Nach einem Freistoß von Gert Dörfel, der HSV-Linksaußen war gefoult worden, kam der Ball zu Klaus Stürmer; zu jenem Mann also, der in den vorangegangenen sechs Gruppenspielen keinen einzigen Treffer erzielt hatte. Aber Klaus Stürmer behielt die Nerven. Mit dem Außenriß schlenzte er den Ball über den herauseilenden Torwart Ewert hinweg, wie ein Blitz stürmte Uwe Seeler an Wilden vorbei und gab dem Ball, der ohnehin die Linie überschritten hätte, "den Rest". Das war der Sieg. Die junge HSV-Mannschaft hatte es geschafft: Deutscher Meister. 
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