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Finale
AC Mailand - HSV am 23.05.1968
in Rotterdam vor 54.000 Zuschauern
Tore:
1-0 Kurre Hamrin (8.Minute)
2-0 Kurre Hamrin (19.Minute)
Aufstellung:
HSV: Özcan - Sandmann, W.Schulz, Horst, Kurbjuhn - Krämer,
Dieckmann - Hönig, G.Dörfel, B.Dörfel, U.Seeler
AC Mailand: Cudicini
- Anquiletti, Schnellinger, Rosato, Scala - Trappatoni, Lodetti, Rivera
- Hamrin, Sormani, Prati

Eintrittskarte vom Finale
in Rotterdam
Wie "Mr.Pokerface"
den HSV ins Finale brachte
Die sportliche Situation am Rothenbaum war in jenen Jahren katastrophal
- trotz so renommierter Namen wie Uwe Seeler, Willi Schulz, Jürgen
Kurbjuhn, Bernd und "Charly" Dörfel. Immerhin alles Nationalspieler.
Aber in der Bundesliga sprangen nur die Plätze 14 (1967) und 13 (1968)
heraus, das deutsche Pokalfinale gegen Bayern München ging sang-
und klanglos mit 0:4 verloren.
Da griff der technische Direktor zum ersten Mal in die Trickkiste: Die
Bayern hatten gerade mit einem 1:0-Sieg über Glasgow Rangers ihren
ersten internationalen Triumph errungen und waren Titelverteidiger im
Europapokal der Pokalsieger. Knöpfle: "Dann sind die Bayern ja doppelt
qualifiziert. Also könnte dochh auch der HSV als Verlierer des deutschen
Endspiels teilnehmen."
Zehn Tage ließ der Europäische Fußball-Verband die Hamburger
schmoren, dann wurden kurzerhand die Regeln geändert. Mit 8:2-Stimmen
befürwortete das Exekutivkomitee der UEFA den Vorschlag von "Schorsch"
Knöpfle, der HSV war trotz nationaler Pleiten wieder im internationalen
Geschäft.
Der Knöpfle-Trick Nr. 2 war fast noch genialer. Im Viertelfinale
traf der HSV auf Olympique Lyon, eine französische Mannschaft, gegen
die man vier Jahre zuvor im gleichen Wettbewerb schon einmal gescheitert
war. Der HSV gewann das erste Spiel im Volksparkstadion mit 2:0 und konnte
relativ beruhigt zum Rückspiel reisen. Aber Knöpfle witterte
Unrat und startete eine Aktion, die ihm später den Spitznamen "Mr.
Pokerface" einbrachte. Noch vordem Anpfiff setzte er sich mit den
Franzosen an einen Tisch und kaufte ihnen ein mögliches Entscheidungsspiel
(damals gab es nach Tor- und Punktgleichstand noch keine Verlängerung)
für 130000 Mark ab. Seine Bedingung: Der Austragungsort muß
Hamburg heißen. Die Franzosen willigten ein, siegten zur eigenen
Überraschung mit 2:0 - um dann in Hamburg vor 62 000 Zuschauern abermals
mit dem gleichen Ergebnis zu verlieren.
Nachdem auch die Hürde Cardiff City genommen wurde, stand der HSV
im Endspiel. Gegen den AC Mailand.
Rotterdam, 23. Mai 1968: 30 000 Hamburger haben die Mehrheit auf den Rängen.
Aber der HSV verspielt seine Anteile schon nach zwei Minuten und 50 Sekunden,
ganz entgegen aller Ratschläge. Italien-Profi Helmut Haller hatte
den HSV gewarnt: "Ihr müßt italienisch spielen. Wenn ihr angreift,
lauft ihr Mailand ins Messer". Der Schwede "Kurre" Hamrin versetzte
dem HSV beide Stiche zur 0:2-Niederlage. Einmal gleich zu Anfang, das
zweite Mal nach 19 Minuten. Als es statt der 10 000 Mark Siegerprämie
nur eine Anerkennungssumme in Höhe von 3000 Mark gab, knurrte Willi
Schulz: "Die Mailänder hatten elf Weltklassespieler! Und wir...?"
In der Tat: Der HSV hatte damals nur einen mit allen Wassern gewaschenen
"Schorsch" Knöpfle, ohne den es den Finalteilnehmer HSV 1968
gar nicht erst gegeben hätte...
erschienen in der Hamburger Morgenpost 17.05.1983
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