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01.08.2010 | Du bist hier: Startseite :: Hall of Fame :: Thomas Doll :: 
Dolly


Thomas Doll

* 09.04.1966

Spielte in der Saison 90/91 und von 1998-2001 beim HSV un erzielte in 74 Spielen 4 Tore. Wechselte 1991 zu Lazio Rom und sanierte mit der Rekordablöse von 15 Mio DM den HSV.

  • Nationalspieler

Zehn Minuten vor dem Abpfiff erheben sich die Zuschauer im Frankfurter Waldstadion von ihren Plätzen. 29 000 sind es, die sich mit Standing ovations vor einem Mann verneigen: Thomas Doll.

Es ist der 13. April 1991, die Fußballer des Hamburger SV siegen mit 6:0 im Bundesligaspiel bei Eintracht Frankfurt. Und das, weil dieser Thomas Doll, Mittelfeldspieler des HSV, 80 Minuten lang eine Weltklasseleistung geboten hat, ehe ihn sein Trainer vorzeitig vom Platz nimmt. Er hat seinem Gegenspieler Roth, ja mit der Eintracht Katz und Maus gespielt, "ganz Frankfurt" vorgeführt. Er ist durch die gegnerischen Abwehrreihen gewirbelt wie niemals zuvor und auch danach nicht wieder.

Doll hat an diesem Tag Fußball gezaubert, als käme er von einem anderen Stern. Deutschlands Fans lagen dem Nationalspieler zu Füßen, und das Ausland jagte ihn fortan. "Thomas Doll ist ein Spieler, der wie kein anderer die Kunst beherrscht, die Kunstlederkugel unter Kontrolle zu halten", schwärmte damals HSV-Präsident Jürgen Hunke. Und Trainer Gerd-Volker Schock urteilte über Doll: "Er ist ein Super-Typ, mit einem wie ihm kann man Zuschauer gewinnen."

Einige Wochen später - es kam, wie es kommen mußte - wechselte Thomas Doll nach nur einer Saison den Verein, schloß sich für eine Ablöse von 15 Millionen Mark dem italienischen Erstliga-Klub Lazio Rom an. Als Mutter Christa die Sorge äußerte, ihren Sohn über Monate nicht zu sehen, tröstete Doll: "Mutti, dann kaufe ich euch Flugtickets, und schon seid ihr in Rom."

Über Nacht hatte Hamburg seine große sportliche Attraktion verloren. "Der Fußballer Doll ist wie ein Kunstwerk, wie ein teures Gemälde", befand Hunke. Dribbelkünstler und Publikumsliebling Doll hätte der Nachfolger von Uwe Seeler werden können - jetzt war er mit einem Schlag Millionär. Er gehörte plötzlich zu den Fußballgrößen Europas, wurde mit internationalen Stars wie Ruud Gullit, Paolo Maldini, Gary Lineker, Marco van Basten, Jean-Pierre Papin und Roberto Baggio auf eine Stufe gestellt.

Was den Emporkömmling aus Ostberlin aber von den meisten Stars dieser Welt damals schon unterschied und bis heute unterscheidet: Doll blieb stets auf dem Boden der Realität. Er ist noch immer der nette Junge von nebenan. Er blieb bescheiden, er nahm nicht den kleinsten Hauch von Arroganz an, er ließ sich auch von dem vielen Geld, seinem Geld, nicht verderben. "Dolli" hat nie seine Herkunft verleugnet. Als kleiner Junge war er einst von seinem Geburtsort Malchin nach Rostock gegangen, wo er für den FC Hansa spielte. Und beim damaligen DDR-Dauermeister Dynamo in Berlin stürmte Doll bis in die DDR-Nationalelf. Das alles klingt wie ein Märchen, aber es war der Beginn einer Bilderbuch-Karriere.[...]

Thomas Doll - Stationen seines Lebens

9. April 1966 Thomas Doll wird in Malchin (Mecklenburg) geboren.

1972 beginnt er bei Lokomotive Malchin mit dem Fußballspielen.

1979 wird er als förderungswürdiges Talent des DDR-Sports auf die Kinder- und Jugendsportschule Rostock geschickt. Zugleich wechselt er zum FC Hansa Rostock. Er spielt fortan in verschiedenen Auswahlmannschaften der DDR.

1983 wird Doll aus der Jugendnationalmannschaft ausgeschlossen, weil seine Familie "verbotene Westkontakte" hatte und er nicht für die Stasi spitzeln wollte.

1986 wechselt er zum BFC Dynamo Berlin, mit dem er 1987 und 1988 DDR-Meister wird. Ebenfalls 1986 gibt er sein Debüt in der DDR-Nationalmannschaft gegen Griechenland. Insgesamt 29mal spielt er für die DDR und schießt acht Tore.

1990 wechselt er zum Hamburger Sportverein.

1991 gibt er sein Debüt in der (gesamt)deutschen Nationalmannschaft, für die er bis 1993 insgesamt 18mal aufgestellt wird und acht Tore schießt. Ebenfalls 1991 unterschreibt er einen Dreijahresvertrag beim italienischen Erstligaklub Lazio Rom. Die Transfersumme beträgt 15 Millionen D-Mark. Gleich im ersten Jahr wird er von den italienischen Trainern zum besten ausländischen Spieler gewählt.

1992 wird Doll Vize-Europameister mit der deutschen Nationalmannschaft.

1994 wechselt er auf Leihbasis zu Eintracht Frankfurt.

1996 Rückkehr nach Italien zum Zweitligaklub AS Bari, mit dem er 1997 in die Erste Liga aufsteigt.

1998 wechselt er wieder zum Hamburger SV, ist allerdings wegen eines Dopingverdachts zunächst gesperrt, wird dann aber von dem Vorwurf freigesprochen.

2001 beendet Thomas Doll seine Profilaufbahn und wird Trainer der A-Jugend beim HSV.

2003 wird er Chef-Nachwuchs-Trainer des HSV.

Thomas Doll ist in zweiter Ehe mit der Italienerin Roberta verheiratet und hat zwei Töchter, eine aus erster Ehe. Seine Hobbys sind Golf, Tennis, Schach und Lesen.

erschienen im Hamburger Abendblatt 18.10.2004


Alle Infos zur aktuellen Saison 2010/11 
 
Deutscher Meister 
1922 : 1923 : 1928 : 1960
1979 : 1982 : 1983 
Deutscher Pokalsieger 
1963 : 1976 : 1987 
Europapokal 
Landesmeister 1983 : Pokalsieger 1977 





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